„Die deutsche Regierung und ihre Unterstützer arbeiteten sehr geschickt, nutzten jede Möglichkeit, die Entente zu spalten und versuchten mit allen Mitteln, das propagandistische Bild eine mißhandelten, verelendeten und mitleiderregenden Deutschlands aufrechtzuerhalten. (…)in der ganzen Welt wurden Sympathiebekundungen für Deutschland organisiert – kurz, die Deutschen waren sehr erfolgreich darin, als Trost für den verlorenen Krieg nun den Frieden zu gewinnen.“ (Karl Retzlaw im Jahre 1944)
Opferideologie und Antisemitismus gehören wohl unzertrennlich zueinander. Ob dies im Nahen Osten aus Europa übernommen wurde oder beides ein originäres Produkt des Islams ist, muss hier jedoch unbeantwortet bleiben. Auffallend ist aber, dass gerade eine Ideologie die sich von Feinden umringt und erniedrigt sah, der Nationalsozialismus, von seinen Bewunderern und Gegnern, mit dem Islam verglichen wurde. So nannte der französische Faschist Charles Maurras den Nationalsozialismus „den Islam des Nordens“, für Churchill, der mit seinem Buch über den Mahdi die erste Islamistische Massenbewegung im 19. Jahrhundert beschrieb, war Mein Kampf der neue Koran und Amin el-Husseini, der Großmufti von Jerusalem, sah etliche Übereinstimmungen zwischen dem Islam und der nationalsozialistischen Ideologie.
Doch auch die Linke, die eigentlich die größte Widersacherin solcher Ideologien sein sollte, verkam mit jeder neuen uneingestandenen Niederlage, zu dem Opferkollektiv das sie heute Global fast ausnahmslos ist. Auch hier wähnt man sich immerzu betrogen, obwohl man doch den Lauf der Geschichte auf seiner Seite habe. Böse Mächte müssen hinter der Verhinderung der Weltrevolution stecken, die in besseren Zeiten vorhergesagt wurde. Von der Kritik der politischen Ökonomie von Marx möchte diese Linke schon lange nichts mehr wissen. Vor allem auch deshalb, weil dort schon stehen würde, was die Hindernisse einer möglichen Revolution sind. Der Linken reicht dagegen der politische Mehrwert Opfer des Systems zu sein, was dazu legitimiert drauf los zu schlagen. Keinen anderen Grund gibt es für die ritualisierten Kämpfe mit der Polizei am 1. Mai, wo beides geboten wird: Kampf mit der Polizei, welcher das Bedürfnis nach Enthemmung befriedigt und eine Niederlage mit Ansage, die den eigenen Opferstatus festigt.
Erst mit der Kritik von Marx hatte die Linke geeignete Instrumente in die Hand bekommen, den Kapitalismus richtig und ohne antisemitische Einschläge zu kritisieren. Vor Marx und eben auch danach, war der Linken das größtenteils nicht mehr gelungen. Doch nachdem man Marx in der Linken, entweder, wie schon damals George Sorel, bis auf einige Versatzstücke des Klassenkampfes, entsorgt hatte, oder gleich durch die Ikonen der Postmoderne mit ihrem Sprachwirrwarr ersetzten, steht dem Bündnis mit anderen Opferideologien nichts mehr im Weg – einem Bündnis gegen Israel und die Juden.
Der Hass auf Israel und die Juden
Werden im Antisemitismus die als schlecht wahrgenommenen Auswirkungen des Kapitalismus, in der Regel das Finanzwesen, den Juden zugeschrieben, so ist der Antizionismus eine falsche Staatskritik, die den eigenen Staat meist will, aber alles Schlechte, das Staatlichkeit mit sich bringt, alleine an Israel festgemacht. Wie Staat und Kapital nicht getrennt existieren können, weil der freie und gleiche Warentausch einen Souverän braucht, der gewährleistet, dass beide am Tausch beteiligten sich an den Vertrag halten, so tritt auch die falsche Kritik der Staatlichkeit, der Antizionismus nicht ohne den Antisemitismus auf. Deshalb darf es nicht verwundern, dass sich Adolf Hitler schon 1920 in seiner ersten dokumentierten Rede zum Antizionismus bekannte.
Und noch etwas schürt den Hass auf die Juden und Israel. Zum einen ist man den Juden den Opferstatus neidisch, so hirnrissig das auch klingen mag, und tritt deshalb in Opferkonkurrenz: Ost-Deutsche Nazis fühlen sich als Opfer eines Bombenholocaust und muslimische Organisationen befördern die Rede von der Islamophobie, die impliziert, dass sie die neuen Juden seien. Edward Said konstruiert zu diesem Zweck gar eine semitische Rasse, die Muslime und Juden umfassen würde, womit beide Opfer des Antisemitismus seien. In Anbetracht der Geschichte und der arabischen-muslimischen Kollaboration mit dem Nationalsozialismus wirklich ein Hohn. Zum anderen kränkt die Antisemiten auch die Tatkraft, die durch Israel ersichtlich wird und die bezeugt, dass man nicht mehr Opfer sein will. Denn im Unterschied zu anderen selbsternannten Opfergruppen, können sich die Juden diesen Status nicht leisten, weil er für sie ganz real lebensbedrohlich ist.
Das antifaschistische Selbstverständnis der Linken
Der Kampf der deutschsprachigen Linken gegen den Nationalsozialismus ist durchzogen von Mythen und Schönfärberei! Die Einsicht, dass dies vor allem eine Geschichte von Niederlagen und Fehleinschätzungen war, wird außen vor gelassen. Nüchtern betrachtet hatte ein englischer Reaktionär wie Churchill ungemein mehr Anteil an der Niederringung des Nationalsozialismus, wie die gesamte deutschsprachige Linke zusammen.
Dass Kommunisten und Sozialdemokraten in Deutschland nicht nur zu den ersten Opfern des Nationalsozialismus gehörten, sondern auch zu seinen erbittertsten Gegnern, darf nicht vergessen werden, aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele dank der falschen Analyse der Linken umsonst gestorben waren. Denn selbst im Exil glaubten die meisten Vertreter der Linken noch ihre eigenen Lügen. So glaubten sie noch in den Jahren 1933-45 an eine bald nahende kommunistische Revolution durch das deutsche Volk – jenes deutsche Volk das den Nationalsozialismus mehrheitlich begrüßte und schickten viele Kommunisten durch nutzlose aber überaus gefährliche Aktionen in den Tod. Eine revolutionäre Arbeiterklasse gab es indes in Deutschland schon lange nicht mehr, sie waren nun alle Volksgenossen geworden – geeint durch ihren Antisemitismus. Der doppelt freie Arbeiter, wie er von Marx in den Grundrissen beschrieben wurde, existierte nicht mehr und damit waren auch die Voraussetzungen für den Klassenkampf verloren gegangen. Nach Marx sei dieser „frei von den alten Klientel- oder Hörigkeitsverhältnissen und Dienstverhältnissen, und zweitens frei von allem Hab und Gut und jeder objektiven, sachlichen Daseinsform, frei von allem Eigentum“. Mit dem Nationalismus begaben sich große Teile der Arbeiterklasse aber freiwillig in ein neues Hörigkeitsverhältnis und auch auf der ökonomischen Seite war der Arbeiter nicht mehr so frei wie zu Marxens Zeiten. Er war zwar immer noch frei von Produktionsmitteln, aber seine Arbeitskraft war im 3. Reich quasi verstaatlicht.
Die KPD verstand dies alles nicht und redete viel von Klassenkampf, hatte aber gerade an der endgültigen Verhinderung desselben großen Anteil. So agitierte sie schon in den 1920er Jahren völkische Studenten mit antisemitischen Reden und verstärkte den Nationalismus in der Arbeiterklasse durch ihren Wettstreit um die nationalste Position mit der NSDAP nur noch zusätzlich.
Im Jahre 2010 verweist man als Linker trotzdem gerne auf seine antifaschistische Tradition. Manche haben dabei ein derart gutes Gewissen, dass sie nun einem anderen geknechteten Volk dazu verhelfen wollen den Frieden zu gewinnen. Zu diesem Zweck setzten sich mehrere Parteimitglieder der „Linken“ mit Islamisten, türkischen Faschisten und abgelaufenen Medikamenten auf ein Friedensschiff, um eine von Israel verhängte Seeblockade zu durchbrechen. Das Ergebnis ist bekannt: Neun Tote, viele Verletzte und ein Sieg im Propagandakrieg für die antisemitische Internationale.
Dass Linke die Gefahren einer reaktionären Massenbewegung nicht erkennen können, ist eben auch eine Tradition des Antifaschismus. Wie schon in der Weimarer Republik waren und sind die selbsterklärten Feinde der Linken (mit Ausnahme einiger Teile der Zwischenkriegs-SPD, die die prowestlichste Partei in der Weimarer Republik war) nicht so sehr die Antisemiten, Freunde des Volkes oder selbsterklärte Antikommunisten, sondern der Westen. Dabei schreckt man, heute wie damals, vor fast keinem Bündnis zurück.
Zwar ist man sich für ein Bündnis mit nationalen Sozialisten, sofern diese sich nicht selbst als Linke sehen oder zufällig nicht der Mehrheitsbevölkerung angehören, zu fein. Den von der Linken noch geschmähten nationalen Sozialisten von der NPD, bleibt dann nichts anderes mehr übrig, als Solidaritätsbekundungen an die Abgeordneten der Linken zu schreiben, in denen ihr Mut gewürdigt wird, trotz der politischen Differenzen: Das Feindbild Israel schweißt eben zusammen. Im Kampf gegen die Juden und Israel spielt die NPD nur mehr die zweite oder gar dritte Geige, die Führung haben andere übernommen. Denn heute braucht man für seinen Kampf gegen Juden zumindest eine antifaschistische und antirassistische Legitimation – der gemeinsame Kampf von Islamisten und Linken ist deshalb auch der erfolgversprechendere – denn er ist moralisch ehrbar.
Die sozialistische Jugend und ihr sozialistisches Palästina
Die sozialistische Jugend Vorarlberg teilt die oben beschrieben Selbsttäuschung im Falle des Antifaschismus. Und auch im Falle der Friedensflotte hat sie sich klar auf eine Seite geschlagen, auch wenn ihr das selbst gar nicht bewusst sein mag. Sie hat nämlich 1:1 die Propagandadarstellung der antisemitischen Internationale übernommen.
Von Israel werden jeden Tag Lebensmittel, Medikamente und Baumaterial nach Gaza geliefert. Die Kindersterblichkeit ist niedriger und die Lebenserwartung höher, als in den meisten arabischen Staaten und selbst der Türkei. Die Blockade richtet sich dabei vor allem dagegen, dass die Hamas an Waffen kommt, mit denen sie Israel beschießen könnte. Was nicht nur die Hamas so lange tat, so lange Raketen vorhanden waren. Von all dem wird im Text der SJ nichts zur Kenntnis genommen. Lieber schreibt man vom „Abschlachten des Menschenrechts“ durch Israel. Dass die israelischen Soldaten aus Notwehr gehandelt haben könnten, wie es die Bilder von der „Erstürmung“ des Schiffes suggerieren, wo ein Mob mit Messern und Eisenstangen bewaffnet gegen die Soldaten brutal vorgeht, hält die SJ für eine „Mähr“ (was auch immer das sein soll, vielleicht meint die SJ Mär) – trotz der überall zugänglichen Bilder und den Aussagen des anwesenden Al-Jazeera Kameramannes. Dieser hatte wohl aus tiefster Bewunderung für die gewalttätigen Islamisten und Faschisten offen ausgesprochen von wem die Gewalt ausging: Von der Schiffsbesatzung!
Offen möchte man sich dann aber doch nicht mit Islamisten und Antisemiten gemein machen. Deshalb greift man zum klassenkämpferischen Antizionismus. Die Lösung sei der Klassenkampf, der zu einem sozialistischen Palästina führen soll. Wenn es um Klassenkampf und Opposition gegen die eigene Regierung geht, beschreibt die SJ diese vor allem in Israel. Damit liegen sie ausnahmsweise auch mal richtig. Israel ist wohl eines der wenigen Länder im Nahen Osten, in dem es eine große und kämpferische Gewerkschaftsbewegung gibt. Die Unzufriedenheit mit der eigenen Regierung führt auch des Öfteren zu vorgezogenen Neuwahlen. Aber wie sind die Voraussetzungen in Gaza und im Westjordanland? Hat man der Weltöffentlichkeit und der sozialistischen Jugend nicht spätestens bei der demokratischen Wahl in Gaza vor Augen geführt, dass die dortige Bevölkerung ihr Heil eher bei 72 Jungfrauen als im Klassenkampf sucht? Nicht einmal durch die Tatsache, dass es in Israel kommunistische, links-liberale und sozialdemokratische Parteien in der Knesset gibt und unter der Hamas in Gaza Fatah Anhänger als Sozis massenhaft hingerichtet werden, scheint das Weltbild der SJ zu stören.
So sehr man das auch bedauern mag, eine kommunistische Weltrevolution steht in nächster Zeit nicht an. Heute besteht dagegen eher die Gefahr, dass sich die Todfeinde jeder allgemeinen menschlichen Emanzipation durchsetzten – unterstützt werden sie dabei vom Sozialismus des 21. Jahrhunderts und der europäischen und amerikanischen Linken. In so einer Situation ein gemeinsames Palästina zu fordern hieße für die Juden: Entweder sie würden den islamischen Dhimmi Status als Bürger zweiter Klasse akzeptieren oder sie müssten mit dem Tod rechnen. In einer kapitalistischen Welt die unweigerlich Antisemitismus hervorruft, wären die Juden zusätzlich, wie schon vor 1948, den Antisemiten der Welt schutzlos ausgeliefert – und das ist die skandalöse Forderung der Sozialistischen Jugend.